125 Jahre Tennis – und Eisclub Darmstadt e.V.

Der Tennis – und Eisclub Darmstadt e.V. wurde im Jahr 1884 zunächst als Schlittschuhclub gegründet. Nachdem der Verein in den folgenden Jahren mehrere Tennisplätze gebaut hatte, die als die besten Darmstadts galten, wurde der Tennissport mit aufgenommen. Der einsetzende Tennisboom hatte die Gründung von 13 weiteren Tennisclubs in Darmstadt zur Folge. Acht dieser Clubs schlossen sich im Jahr 1900 zusammen und gründeten die Darmstädter Lawn- Tennisvereinigung und damit den ersten Einzelverband Deutschlands. Im Jahr 1902 vereinigte sich dieser mit weiteren Verbänden zum Deutschen Tennisbund. Der Darmstädter Zusammenschluss erwies sich in der Folgezeit als sehr zweckmäßig: die Vereinigung verfügte über 15, über die ganze Stadt verteilte Tennisplätze, und es entfaltete sich ein reger sportlicher Betrieb.

Im Jahr 1906 ging die Lawn- Tennisvereinigung im Darmstädter Schlittschuhclub auf, der schon immer der weitaus stärkste und aktivste Club der Vereinigung war. Von dieser Zeit an nannte er sich Schlittschuhclub-Sportverein und begann, am Böllenfalltor eine ausgedehnte Platzanlage aufzubauen. Das Gelände umfasste 25 000 qm und bot sowohl der Anlage einer 14 000 qm großen Kunsteisbahn als auch der Errichtung von 25 Tennisplätzen Raum. Der damalige Vorsitzende Dr. med. Carl Röder (Vorsitzender von 1888 – 1908) lenkte die Entwicklung des Clubs entscheidend in Richtung Tennissport. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass von 1907 bis 1914 internationale Turniere in Darmstadt stattfanden. In diesen Jahren brachte der Club große Sportler hervor, u .a. gehörte der Darmstädter Tennisspieler

Herrmann Fitting der deutschen Nationalmannschaft von 1907 - 1909 an. Der 1. Weltkrieg unterbrach für Jahre die Spieltätigkeit, auch konnte der Club nach den Umwälzungen der Jahre 1918/1919 nicht mehr in der alten Form weiter bestehen. 1919 bildete sich in der Stadt ein Ausschuss für Leibesübungen, dem auch die Platzanlage des Schlittschuhclub – Sportvereins übergeben wurde. Von da an änderte der Verein seinen Namen in Tennis –und Eisclub und pachtete das von ihm benötigte Gelände. In den ersten Nachkriegsjahren verzeichnete der Club einen starken Mitgliederzuwachs und bereits 1921 konnte das erste internationale Nachkriegsturnier ausgerichtet werden. Die Serie dieser großen internationalen Turniere beim TEC, verbunden mit den Hessischen Meisterschaften, wurde noch bis 1925 fortgesetzt, danach beschränkte sich der Verein auf alljährlich stattfindende Clubturniere. 1927 gelang es der ersten Mannschaft des TEC, die Hessischen Meisterschaften zu gewinnen, in den beiden Folgejahren konnte der Titel erfolgreich verteidigt werden. Zwischen 1927 und 1952 gewann die erste Mannschaft insgesamt zehnmal die Hessischen Meisterschaften. Ein weiterer Höhepunkt der Vereinsgeschichte war die Ausrichtung der Studenten- Weltmeisterschaften auf der Tennisanlage am Böllenfalltor im August 1930. Diesem Anlass verdankt der TEC die heute noch benutzte Tribüne.

Dr. Carl Merck, Vorsitzender des Clubs von 1932 bis 1946, ist es zu verdanken, dass der Club in der NS-Zeit nicht in die Gemeinschaft für Leibesübungen (GfL) eingegliedert wurde. Zudem gelang es Dr. Carl Merck, den Verein auch finanziell durch diese schwierige Zeit zu bringen. Gleichwohl wurde auch dem TEC in dieser Zeit eine neue Satzung aufgezwungen, die völlig auf das „Führerprinzip“ zugeschnitten war, die Vereinsmitglieder aller Rechte enthob und den Verein den zweifelhaften Intentionen des Nationalsozialistischen Reichsbundes für

Leibesübungen (NRSL) auslieferte.

Bis 1935 spielte das Damentennis eine eher untergeordnete Rolle beim TEC, erst 1936 nahmen in der hessischen Rangliste zwei Spielerinnen des TEC erste Plätze ein. In der „Brandnacht“ des 11. September 1944 wurden auch die Clubanlagen des TEC zerstört

und der Verein nach dem Zusammenbruch von der US-Militärregierung aufgelöst. Bereits am 17. Februar 1946 wurde in Anwesenheit von 27 alten Mitgliedern der TEC neu gegründet, endgültig von der Militärregierung zugelassen wurde er dann am 9. September 1946. Den

Vorsitz übernahm Otto Röhm. In den ersten beiden Jahren nach der Neugründung musste zunächst alles dafür getan werden, die Sportausübung zu ermöglichen. Denn der Club bestand zwar wieder, hatte aber keinen einzigen bespielbaren Platz mehr. Erst im Herbst 1947 standen zwei Plätze und Ende 1948 fünf Plätze zur Verfügung. Auf Initiative von Otto Röhm wurde im Jahr 1947 die damals beim SV 98 beheimatete Hockey-Abteilung in den TEC integriert, ebenso ist ihm der Bau einer der ersten Tennishallen Hessens zu verdanken, die vom TEC im Oktober 1958 eingeweiht werden konnte. In den schwierigen Nachkriegsjahren fanden vor allem Clubwettkämpfe statt, auch die Jugendarbeit verlief erfolgreich, immerhin konnte die Juniorenmannschaft in den Jahren 1952 bis 1955 viermal die hessischen Jugendmeisterschaften gewinnen. Auch bei den Damen gelang es dem TEC in der Folgezeit, aus eigenen Reihen eine starke Mannschaft aufzubauen.

Tennis entwickelte sich in der Folgezeit immer mehr zum Volkssport, in Darmstadt entstanden neue Tennis-Abteilungen in bestehenden Sportvereinen. Der TEC baute in den sechziger Jahren eine Kegelbahn zur Stärkung des Miteinander der Mitglieder, schon 1958 kamen zu

den bestehenden sieben Tennisplätzen fünf neue hinzu. Eine umfassende Sanierung des Clubhauses und hier vor allem der Garderobenbereich wurden Mitte der 1970er Jahre in Angriff genommen.

Die Entwicklung der Tennisabteilung des TEC in den zurückliegenden 30 Jahren ist natürlich von der Entwicklung des Tennissports insgesamt geprägt. Er erfährt in den beginnenden 1970er Jahren bis Anfang der 1990er Jahre des vergangenen Jahrhunderts einen zum Teil boomartigen Aufschwung, dem in den sich anschließenden Jahren ein deutliches Nachlassen von öffentlichem und privatem Interesse folgt. Es gibt aber auch wesentliche spezifische Entwicklungen im Tennissport des TEC, die sich zum einen aus der Vereinsstruktur, zum anderen aus einer kontinuierlichen, mit Augenmaß betriebenen Vereinsführung ergeben, der sich alle Vorstände verpflichtet fühlten: In Anknüpfung an seine lange sportliche Tradition spielen Tennismannschaften des TEC in den oberen hessischen Spielklassen und in überregionalen Wettbewerben. Diese Leistung wird von Spielern erbracht, die dem Verein des Herzens wegen und nicht des Geldes wegen verbunden sind.

Es ist und war immer erklärte Vereinspolitik, auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Leistungssport und Breitensport zuachten, zumal eine Stärke des Tennissports gerade in seinen Möglichkeiten als Breitensport liegt. Der Übergang vom Leistungssport zum Breitensport ist

jedoch fließend. Die mehr als 20 Mannschaften, die für den TEC im Tennis antreten, sind sicher nicht alle dem Leistungssport zuzurechnen. Eine besondere Förderung erfährt die Jugendarbeit, wo schon die Kleinsten, die Minis ab 4 bis 5 Jahren aufwärts, spielerisch an den

Tennissport herangeführt werden.

Das Strukturspezifikum in der Vereinsentwicklung liegt darin, dass der Verein mit Tennis und Hockey zwei Ball+Schläger-Sportarten betreibt, die sich in idealer Weise ergänzen. Diesem Umstand ist es wesentlich zuzuschreiben, dass der Verein von dem Aderlass an Mitgliedern,

wie ihn viele Tennisvereine in den letzten Jahren hinnehmen mussten, verschont geblieben ist. Die Mitgliederzahl bewegt sich seit den 1970er Jahren um 700 herum. Es ist auch erklärte Vereinspolitik, Tennis und Hockey als eine Einheit im TEC zu sehen. Als 1985 die neue Zweifeldhalle als reine Tennishalle errichtet wurde, also nicht mehr dem Hockeysport zur Verfügung stand wie die Einfeldhalle zuvor, war dies nur vordergründig eine Benachteiligung der Hockey-Abteilung. Tatsächlich hat der Gesamtverein in hohem Maße von den Einnahmen aus der neuen Halle profitiert. Diese Einnahmen tragen auch heute noch wesentlich zur Finanzierung des Hockey-Kunstrasens bei, der letztlich wie die Tennishalle eine wesentliche Bereicherung für den Gesamtverein darstellt.

Die 1947 in den TEC integrierte Hockey-Abteilung entwickelte sich sehr positiv. Der ersten Hessenmeisterschaft der Herren im Jahre 1956 folgten weitere Hessentitel bis zur Mitte der 1960er Jahre, sowohl im Feld als auch in der Halle, süddeutsche Titel in der Halle und die Erringung des deutschen Hallenhockey-Vizemeisters in 1964. In den Jahren 1956 – 1965 nahmen die TEC – Herren mehrmals an Endrunden um die deutsche Meisterschaft teil. 1972 folgte der Aufstieg der Herren in die eingleisige Bundesliga, die nach nur einer Spielzeit

wieder verlassen wurde. Seit dieser Zeit spielen die TEC – Herren in der Oberliga Hessen und der Regionalliga. Auch das Damenhockey spielte in den fünfziger Jahren eine große Rolle im TEC. Als Vizemeister in Hessen qualifizierte sich die Damenelf 1957 zur Teilnahme an der deutschen Meisterschaft. Die TEC – Damen scheiterten in Berlin, holten sich aber 1959 die hessische Hallenhockeymeisterschaft. Wenige Jahre später fand das Damenhockey im TEC zunächst ein Ende.

Welche Rolle das Sportfeld spielt, zeigt sich im TEC Hockey sehr deutlich. Die vereinseigene Halle mit den damit gegebenen Trainingsmöglichkeiten führte dazu, dass der TEC bei der „neuen“ Sportart Hallenhockey von Anfang an eine bedeutende Rolle in Hessen und Süddeutschland spielte. Teilnahmen an deutschen Meisterschaften belegen dies. 1963 Fünfter im Berliner Sportpalast, 1964 Zweiter in der Wolfsburger Stadthalle.

1957 wurde der Hockeyplatz für Tennisplätze benötigt, ein Neubau eines Platzes wurde erforderlich. Auch der am Waldrand gelegene Platz war wieder ein Tennenplatz und erst 1971 konnte ein Naturrasenplatz gebaut werden, der im Juli 1972 im Spiel gegen den späteren Olympiasieger Deutschland eingeweiht wurde. Eine Verbesserung des Feldhockeyspiels stellte sich nicht ein, nach der Auflösung der Damenmannschaft spielten nur noch Herren im TEC. Der holprige TEC Naturrasen zwang in den Jahren 1990 – 1998 die Hockeyspieler, ihre

Wettkämpfe auf dem sandverfüllten Kunstrasen der TSG 1846 auszutragen. Eine neue Blüte erlebt das Hockeyspiel im TEC durch den Ende des vergangenen Jahrhunderts auf dem Vereinsgelände gebauten Kunstrasenplatz. In den achtziger Jahren hatte der TEC etwa 50 Hockeyspieler, heute betreiben nahezu 300 Mitglieder, davon 200 Jugendliche den Hockeysport im TEC. Diese überaus erfreuliche Entwicklung ist Folge intensiver Bemühungen von Abteilungsleitung und einer Vielzahl von engagierten

Übungsleitern.

Mehrere Jahrzehnte gab es kein Damenhockey im TEC. Der Bau des Kunstrasenplatzes führte zum Zusammenschluss mit den Damen der TSG, eine Spielgemeinschaft mit Jugendlichen hatte sich schon vorher etabliert. Heute hat der TEC bei den Herren und Damen in allen Altersklassen – von den Minis bis zu den Senioren – Mannschaften, die am offiziellen Spielbetrieb teilnehmen. Gleiches gilt auch für die Tennisabteilung, wo trotz Ende des Tennisbooms TEC – Mannschaften in allen Altersklassen im offiziellen Team – Tennis zum Schläger greifen.

Im Jahr 1961 wurde der TEC um eine Schachabteilung erweitert, zumal einige der besten Darmstädter Schachspieler im TEC den Tennis- oder Hockeyschläger schwangen, aber auch, weil es bis dahin in Darmstadt für Schachspieler keine geeigneten Clubräume gab und sie meist in Gaststätten spielen mussten. Die Schachspieler sollten im TEC die Möglichkeit haben, seriöses, leistungsorientiertes Turnierschach unter adäquaten Bedingungen zu spielen. Gegen anfängliche Widerstände (Schach im Sportclub) wurde die neue Abteilung dann aber akzeptiert und in das Clubleben integriert. Heinz Gierl, Schachspieler des TEC, hat maßgeblich Anteil, dass Schach in den 1960er Jahren als Sportart anerkannt wurde.

Heute bietet der TEC auf seiner schönen, am Wald gelegenen Anlage Tennis, Hockey und Schach für jedes Alter. Von seinen rund 700 aktiven Mitgliedern sind etwa 300 Kinder und Jugendliche in den Sportarten Tennis und Hockey aktiv. Der TEC verfügt über 13 Tennissandplätze und zwei Tennishallenplätze sowie einen Kunstrasenplatz.

 

Darmstadt, 31. März 2009